Bundesliga-Meisterschaftsturnier 2020

Ein Bericht von Thomas Koch:

Nun sind die sieben Runden in fünf Tagen beim Bundesliga-Meisterschaftsturnier in Karlsruhe geschafft und wir elf Spieler sind alle wieder zu Hause.

Da die Partien, Kommentare und Videos alle auf den bekannten Seiten im Netz leicht auffindbar sind, möchte ich an dieser Stelle darauf nicht speziell eingehen, sondern eher ein persönliches Fazit ziehen:

Wahrscheinlich ist bereits unsere Teilnahme an diesem Turnier einer der größten Erfolge unserer gesamten 164 jährigen Vereinsgeschichte, auch wenn man das - wenn man als Turnierletzter nach Hause fährt - nicht so richtig wahrnimmt.

Wir sind ziemlich k.o. und nicht jeder ist zufrieden heimgefahren. Eine klassische und sehr inspirierende Lehrstunde haben wir erhalten.

Wir haben alle viele Fehler gemacht. So ist das, wenn man ein Turnier auf einem völlig neuen hohen Level der Gegnerschaft spielt. Man erhält viele Ideen, was man alles noch so tun kann, sollte, muss, wenn man sich weiter verbessern möchte: Höhere Präzision in jeder Partiephase, besser ausgearbeiteteres Eröffnungsspiel, tiefgründigeres Verständnis typischer Stellungen, mehr Variationsmöglichkeiten, bessere Zeiteinteilung - um nur ein paar Punkte zu nennen.

Für mich kann ich sagen, dass ich noch nie ein Turnier gegen eine solche Gegnerschaft - nur GM, nur ein nicht-Nationalspieler, Durchschnitt>2600 ELO, .. - gespielt habe. Und ich bin auch noch nie irgendwo Letzter geworden. Hm.

Dabei haben wir viele Ziele erreicht: Keinen Kampf 0:8 verloren, noch nicht mal gegen Baden-Baden! Niemand mit mehr als einer Partie ist mit leeren Händen nach Hause gefahren. Und sogar einen Mannschaftspunkt haben wir erzielt! Das war mehr als gedacht und, da letzteres bereits in der ersten Runde der Fall war, haben wir sogar einmal auf Platz vier gestanden!!

Niemand hat 50% geschafft, aber wir waren sehr nah dran: Christian mit seiner phänomenalen Leistung von 2,5/6 gegen einen Gegnerschnitt von 2649 ELO und ebenso Felix sehr stark mit dem gleichen Resultat gegen einen Gegnerdurchschnitt von 2527 ELO ragten heraus.

Gute Einzelergebnisse gab es auch zwischendrin: Thibaut‘s remis gegen GM Michael Adams beispielsweise, oder Tom‘s Verteidigungssieg gegen GM Lucas van Forrest, oder Christoph‘s Remis gegen IM Robert Kreisl von Solingen. Die Liste liesse sich noch um einige tolle Resultate verlängern. Und über die wenigen kurzzügigen Verluste oder die chancenlosen Niederlagen breiten wir natürlich aufgrund ihrer natürlichen Unvermeidbarkeit bei dieser hochkarätigen Gegnerschaft an dieser Stelle selbstverständlich den Mantel des Schweigens aus. Aber nicht ohne auch aus diesen vielleicht unsere Lehren zu ziehen.

Im März geht die bis 2021 verlängerte reguläre Bundesligasaison weiter und wir können dann zeigen, ob wir aus den gesammelten Erfahrungen etwas gelernt haben.

Am Ende möchten wir uns bei den ausrichtenden Vereinen Baden-Baden und SF Deizisau nochmal ganz herzlich für die Durchführung dieses wunderbaren Events bedanken! Unseren geliebten Schachsport in diesen schwierigen Zeiten in dieser Intensität und Qualität so zu präsentieren, sehen wir als eine ungeheure Leistung, hinter der - wie wir alle wissen - ein riesiges Arbeitspensum und auch erhebliche Ausrichtungskosten stecken.

Das war ein richtiges Leuchtturm-Event in diesen kritischen Pandemiezeiten und wir hoffen auf eine positive Signalwirkung für das Schach in Europa insgesamt.

Vielleicht passt an dieser Stelle noch ein Wort zu den Coronoa-Bedingungen: Um die Spieler vor Ansteckungen zu schützen, war über allen Brettern eine Plexiglasscheibe so montiert, dass man die Züge spielen konnte und gleichzeitig vor den Viren des Gegners geschützt war. Wenn man am Brett saß, durfte man deshalb die Maske absetzen, ansonsten war überall Maskenpflicht. Die Bretter waren - wie man auf dem Bild sehen kann - großzügig voneinander getrennt und Zuschauer leider nicht zugelassen. Mehr kann man für den Corona-Schutz nicht tun!

Ein Dank und Gratulation geht auch an den verdienten Vizemeister SC Viernheim, die das Turnier aufgrund ihrer immens starken Aufstellung bis zur allerletzten Minute spannend gemacht haben. Letztlich hat wieder der Seriensieger Baden-Baden das Rennen gemacht und verdient den Meisterpokal erhalten - Glückwunsch!

Zum Abschluss hier noch ein paar Bilder, die unser Fotograf, Mannschaftsführer, Manager, Betreuer und Ersatzspieler Ralf dankenswerter Weise für uns jeden Tag geknipst und zusammengestellt hat: